Heute wollten wir uns treffen. So gegen 23:00 wollte er da sein. Wollte sich vorher mit einer Freundin in Frankfurt treffen und anschließend zu mir kommen. Ein Alibi hätte er ja dann. Nun ist es
00:20 und er ist immer noch nicht da...
Es ist so leicht auf einem Herz rumzutrampeln. Und dann höre ich wieder seine Stimme und denke nur noch, dass er mir fehlt, ich ihn unbedingt wieder sehen will.
Und nun kommt er doch - in ca. 10 Minuten... Ich bin so blöd...
Ich bin so allein. Ich habe das Gefühl, niemanden zum Reden zu haben, niemanden zu haben, der für mich da ist. Ich weiß, dass das so nicht stimmt. Meine Familie wäre sofort für mich da, genau wie
meine beste Freundin, aber meine Eltern möchte ich nicht mit meinen Sorgen belasten und meine beste Freundin lebt ihr eigenes Leben. Sie ist so glücklich und ich habe immer das Gefühl, dass ich
ihr Glück nicht mit meinen Problemen stören sollte. Aber ich sitze hier allein und wünsche mir nichts sehnlicher, als jemanden zu haben, der mit zuhört, dem ich die ganze Geschichte anvertrauen
kann, jemand der mich in den Arm nimmt und mir Kraft gibt.
Und dann habe ich zu allem Überfluss immernoch Urlaub und dementsprechend den ganzen Tag Zeit zu grübeln. Von Tag zu Tag merke ich ein bisschen mehr, wie dringend ich mein Leben komplett ändern
muss. Aber insgeheim hoffe ich doch immer noch, dass Alex plötzlich vor mir steht, mir seine Liebe gesteht und uns eine Zukunft ermöglicht. Ich weiß, das ist total naiv, aber ich schaffe es noch
nicht, meine Hoffnung aufzugeben.
Mir ist bewusst, dass der Start in ein neues Leben immer damit verknüpft ist, Alex aufzugeben. Aber das kann ich einfach nicht. Vielleicht noch nicht, vielleicht auch nie...
Heute morgen ist er wieder in Deutschland gelandet, für die nächsten vier Wochen. Und davon werden wir uns vielleicht ein einziges Mal sehen. Aber wahrscheinlich ist das auch besser so, denn
allein das Bewusstsein, dass er wieder in der Nähe ist, macht mich ganz krank.
Eigentlich hatte er mir versprochen, sich zu melden, wenn er gelandet ist. Jetzt ist es nach halb neun abends und er hat sich natürlich nicht gemeldet. Aber so ungern ich es sage, es passt zu
ihm. Er hat mir zwar gesagt, dass er auch an mich denkt, wenn er sich nicht meldet, aber das kann ich inzwischen nicht mehr glauben und das tut sehr weh. Mein Herz kann ihn aber noch nicht
loslassen, denn ich liebe ihn nachwievor. Inzwischen bin ich wieder an einem Punkt, an dem ich sage, dass ich mich am liebsten nie wieder verlieben möchte, wenn es im Endeffekt so sehr schmerzt
und langsam muss ich mir eingestehen, dass er mich nie so geliebt hat. Und das macht es nicht einfacher.
Inzwischen versuche ich mich abzulenken, aber natürlich gelingt mir das nicht wirklich. Ich gehe zum Sport und denke nur an ihn, denn er hat mich dazu gebracht, ins Fitness-Studio zu gehen. Dann
habe ich mich noch dazu durchgerungen, einen Business-Englisch-Kurs zu machen, der aber leider vor Weihnachten nicht mehr anfangen wird. Also bringt das zur Ablenkung auch nichts. Ich bin am
überlegen, ob ich mich für morgen Abend verabreden soll - das Leben muss ja irgendwie weitergehen. Aber eigentlich bin ich aktuell keine gute Gesellschaft. Wem könnte ich das schon antun...
Ich kann nicht mehr! Ich schlafe nicht mehr, oder wenn nur mit Schlaftabletten, ich esse nicht mehr vernünftig und wenn nur Süßes und vor allem kann ich mich an nichts mehr erfreuen. Nächstes
Wochenende will meine beste Freundin ihren Geburtstag nachfeiern und ich kann mir nicht mal vorstellen, hinzugehen. Ich kann nicht all meine Freunde treffen und allen sagen müssen, dass wir uns
getrennt haben. Dafür bin ich nicht stark genug! Und ich will auch nicht all das Mitleid in ihren Augen sehen. Glückliche Paare sind mir aktuell auch ein Garaus.
Und dann kam gestern Abend noch eine Mail von ihm. Die erste Mail, mit der er mir wirklich weh getan hat. Seine Worte waren so hart und so verletzend. Wie es mir geht, scheint keine Rolle mehr zu
spielen. Und ich blöde Kuh mache mir um ihn sorgen. Aber er scheint die Trennung sehr gut zu verkraften. Gestern meinte er, es gehe ihm nicht schlecht. Vorher wäre es ihm schlecht gegangen, jetzt
nicht mehr. Und dann habe ich ihn gebeten, nicht zu unserer Weihnachtsfeier zu kommen. Seine Antwort: ich hätte das big picture gekannt und wäre wie er bereit gewesen Risiken einzugehen.
Ich habe so viele Fragen, auf die ich vielleicht nie eine Antwort bekommen werde. Stellen möchte ich sie aber
trotzdem, denn sonst werden sie immer wie ein Stein auf meiner Seele liegen. Mein Liebster, ich kann dich nur bitten, sie mir zu beantworten. Außerdem sollen sie dich auch zum Nachdenken bringen,
ob deine Entscheidung wirklich die richtige war:
Liebst du sie?
Würdest du sie noch mal heiraten?
Würdest du weinen, wenn sie ginge?
Hast du dir dein Leben so vorgestellt?
Könntest du dir vorstellen, zurück zu kommen?
Was sind deine Träume?
Wie hast du dir dein Leben vorgestellt, als du dein Abi in der Tasche hattest? Was hast du dir vom Leben erhofft? Ist das eingetroffen?
Wie steöötst du dir dein Leben heute vor? Was erwartest du insgeheim vom Leben? Was ist der Sinn deines Lebens?
Wenn es heute zu Ende wäre, könntest du sagen, dass es sich gelohnt hat zu leben?
Willst du dein ganzes Leben (vor deinen Gefühlen?) davnlaufen? Willst du nicht irgendwann mal ankommen und glücklich sein? Lieben und geliebt werden? Ohne Bedingungen?
Wann ist man seinem Kind ein Vorbild? Wenn man aus Verantwortungsgefühl bei der Familie bleibt, das Leben aber auf einer Lüge beruht, man nicht glücklich ist und die Eltern sich nicht (mehr)
lieben oder wenn man die Famlie verlässt, sich aber um sein Kind kümmert, aller Verantwortung nachkommt, seiner Frau eine Chance gibt, eigene Entscheidungen zu treffen und wahre Gefühle zeigt und
lebt?
Ist das Verhalten deiner Frau gegenüber fair? Lebt ihr nicht deinen Traum auf ihre Kosten? Du liebst sie nicht mehr (zumindest glaube ich das), betrügst sie und sie gibt ihre Familie, ihre
Freunde und ihren Job für ein Leben auf, indem sie früher oder später zumindest emotional alleine da steht - in einem fremden Land.
Ist in den USA zu leben es wert, das eigene Leben aufzugeben und das deiner Frau zu "zerstören"?
Was empfindest du für mich? Liebst du mich?
Komme ich in deinen Träumen und in deiner Vorstellung von der Zukunft vor?
Glaubst du, dass ich dich glücklich machen kann? Glaubst du, dass ich dein Leben verändern, vielleicht bereichern kann? Kannst du ohne mich glücklich werden?
Hast du Angst um mich? Hast du Angst mich zu verlieren?